Nach 2 Wochen mit Camper in Island, bin ich zurück und habe
erstmals Eindrücke vom Herbst bekommen, genau genommen vom Frühherbst, denn
viel Herbstliches gab es noch nicht. Aber ich will mich nicht beschweren, denn
das Wetter war größten Teils sommerlich – die Anzahl der Touristen leider auch.
Genau genommen hatte ich den Eindruck, dass es teilweise voller war als bei
meinen früheren Reisen im Juni/Juli. Aber das liegt wohl weniger an der Jahreszeit,
sondern daran, dass die Anzahl der Touristen in Island von Jahr zu Jahr
gewaltig ansteigt. Und die „Saison“ weitet sich aus, indem der September
anscheinend schon zur Hauptsaison zählt, aber auch (das hat hier zwar nichts zu
suchen) indem der März zur Winter-Hauptsaison geworden ist.

Ich kann mich ja nicht beschweren, dass immer mehr Touristen
nach Island kommen, denn ich fahre ja selbst jedes Jahr zweimal nach Island.
Die Isländer versuchen mit der wachsenden Zahl von Touristen klar zu kommen, aber
leider geschieht das auf eine erschreckend schlimme Weise. Meine Beobachtungen
sind zwar sehr selektiv, weil ich in den 2 Wochen natürlich nur einen kleinen
Teil der Insel besuchen konnte, aber was ich zu sehen bekam, hat mich doch
teilweise ziemlich schockiert.

Beim Godafoss wurde auf der bisher „unberührteren“
Schokoladenseite ein Parkplatz gebaut, und eine breite Schneise ins Gelände
geschnitten, um entweder Menschenmassen oder gar Autos möglichst nahe an die
Wasserfälle heranführen zu können. Die Planungen für diesen Ort lassen mich
zusammenzucken, und man kann fast froh sein, dass nicht auch ein „Skywalk“ über
die Fälle geplant ist – zumindest noch nicht.

Aber nicht nur solch touristische Highlights wie der
Godafoss sind betroffen, sondern auch weniger bekannte Ziele wurden so
„umgebaut“, dass ich/man nur erschrecken kann. Die Wasserfälle beim Kirkjufell
auf Snaefellsnes wurden mit Boardwalks auf beiden Seiten der Fälle, mit
erweiterten Parkplätzen und mit großen Hinweisschilder, zu einer touristischen
„Attraktion“ ausgebaut. Folge war, dass sich dort zum Sonnenuntergang ca. 40
Fotografen einfanden, die sich (logischerweise) überwiegend im Wege rumstanden.
Dabei störten die Boardwalks noch am wenigsten, aber vielleicht sollten die
Isländer doch auch einmal über einen Fotografie-Beauftragten nachdenken und
nicht nur über Elfen-Beauftragte. Dann könnte man zumindest solch eine
grauenhafte Verbauung der Landschaft (unter fotografischen Aspekten) etwas
einschränken. Träumen darf ich ja wohl.

Aber man kann noch eins drauf setzen. Bei dem wahrlich
abgeschiedenen Leuchtturm Svörtuloft (es gibt auch andere Namen dafür) am
westlichsten Ende der Halbinsel Snaefellsnes, hat man genauso Boardwalks in die
Landschaft gesetzt und zur Krönung auch noch Geländer, um die Touristen davon
abzuhalten sich von den Klippen ins Meer zu stürzen.

Wenn diese Verbauung der (bisher) grandiosen Natur in Island
weiter geht, begonnen hat es mit der
Aussichtsplattform am Skogarfoss, dann wird Island vielleicht eine Zeitlang
noch die Anzahl der Touristen steigern können, aber irgendwann kippt das Ganze.
Ich bin froh, dass ich einen großen Teil Islands ohne diese Verbauungen sehen
konnte. Es bleibt wahrscheinlich noch einige Zeit das Hochland als Rückzugsort,
aber warum sollte man da nicht die Pisten asphaltieren und ein paar Brücken
bauen?

Fazit: Island ist ein Land bzw. eine Insel mit grandiosen
Landschaften und einer gewaltigen Natur, und das wird noch lange so bleiben.
Gerade diese „gewaltige“ Natur und die Urkraft der Vulkane werden sich gegen
menschliche Einflüsse wehren, und uns diese ungebändigten Naturlandschaften
noch lange erhalten. Aber auch die Isländer sollten vielleicht ein wenig
nachdenken und Konzepte entwickeln, wie man mit den wachsenden Touristenzahlen umgehen
kann, ohne die Landschaften den zu erwartenden Menschenmassen mit Boardwalks
zugänglich zu machen.

Für Trolle und Elfen ist in Island gesorgt. Ich biete mich
gerne der Isländischen Regierung als Fotografie-Beauftragter an, damit die
Natur nicht nur für Tausende mit Bussen herangekarrte Touristen von
Kreuzfahrtschiffen aufbereitet wird.